Ausgabe 145, Porträts

Mister Herman macht sich frei

Gefürchtet und verehrt, wahnsinnig und virtuos: Sergio Herman trägt auf dem Höhepunkt seines Ruhms sein erstes Lebenswerk zu grabe. Allerdings nicht, ohne gleichzeitig seine Wiedergeburt einzuleiten.

Mister Herman macht sich freiFotos: Peter Paul de Meijer, Tony Le Duc

Drei Minuten wird es dauern. Drei Minuten, bis in der Küche des Oud Sluis für einige wenige Augenblicke wieder nur das Geklapper von Töpfen und das dumpfe Tok-tok-tok eines Kugelschreibers, der am Pass im perfekten Rhythmus auf einen Notizblock niedersaust, zu hören sein wird. Für den schmächtigen Commis, der den Parmesanchip für das dritte Amuse-Bouche vergessen hat, werden es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die drei längsten Minuten seines Lebens werden. Denn Sergio Herman ist sauer. So sauer, dass er seinen Kontrollposten am Pass während des Service aufgibt, sich durch das hektische 18-köpfige Gemensche zum Vergesslichen durchkämpft und ihm 90 Sekunden lang dieselbe Frage ins Gesicht brüllt: „Why did you forget it??!!“ Der junge Mann, der bis zu diesem Zeitpunkt zumindest noch eine kleine Chance auf eine Karriere in einer der besten und mit Abstand härtesten Küchen Europas hatte, ist zu Eis erstarrt. Irgendwann, etwa bei der Halbzeit, würgt er dann – man möchte sagen endlich – ein kaum hörbares „Sorry“ hervor. Guter Ansatz, trotzdem...

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14.11.2015