Ausgabe 214

Ich heiße Adrià, Albert Adrià

2013 gilt Albert Adrià als der meistunterschätzte Koch der Welt. Das einst beste Restaurant der Welt, das elBulli, und sein großer Bruder Ferran Adrià werfen lange Schatten. Wie ­Albert seinem Nachnamen seine eigene Bedeutung gibt und ­warum er dafür fünf Restaurants in einem Jahr eröffnete.

Text: Nina Wessely     Fotos: Claudio Martinuzzi, Werner Krug, Moisés Torne Biayna, Pepo Segura

"Der König ist tot, lang lebe der König", mit diesen Worten schließt Albert Adrià 2013 sein Restaurant 41° in Barcelona. Seine Spielwiese für 16 Gäste, auf der die Grenzen der Gastronomie ganz nach Adrià-Manier ausgelotet werden. Übrig bleibt das angrenzende Restaurant Tickets, in dem die Vida Tapa zelebriert wird. Natürlich auch nicht, ohne dass jeder Handgriff bis aufs Letzte hinterfragt und abgeändert wird, sollte er als zu unkreativ bewertet werden. 2013 gilt es, die Kräfte neu zu bündeln. Albert Adrià hat viel vor in der Avenida Parallel, in der sich das Restaurant Tickets befindet, und in den Straßen, die daran angrenzen. 2013 ist es fünf Jahre her, seit er das Restaurant seines großen Bruders, das elBulli, verlassen hat, sich eine Auszeit zur Geburt seines Sohnes Alex genommen und ein gefeiertes Meisterwerk-Buch der Pâtisserie „Natura“ veröffentlicht hat. 2011 tritt Albert Adrià mit der Eröffnung des Tickets in Barcelona mit einem großen Plan in der Tasche wieder auf das gastronomische Parkett. „Ich habe mich angeschissen vor der Eröffnung. Die Leute erwarteten ein elBulli in Barcelona“, so der heute 48-jährige Katalane. Das war natürlich nie der Plan, auch nicht, ein ganzes Viertel mit dem Namen Adrià zu versehen, wie es heute mit dem BarriAdrià dann doch geschehen ist. Kreieren, erschaffen, neue Wege beschreiten, das war und ist der Antrieb aller großen Köche, und nicht Sterne oder Gastroimperien zu bauen, ist sich der große Bruder Ferran Adrià sicher. Nur wie geht man es an, wenn, egal, was man angreift, immer der Schatten des Nachnamens schon da ist? Im Fall von Albert Adrià auf Zeit setzen. Und diese für sich nutzen. Zuschlagen, indem man in einem Jahr nicht eines, sondern gleich fünf Restaurants eröffnet. Warum das Ganze? „Das ist eine gute Frage“, entgegnet Albert Adrià. Es hat offensichtlich so sein sollen. Er war bereit. Und so folgten auf das Restaurant Tickets, das im Jahr 2011 eröffnete, 2014 zuerst Bodega 1900, daraufhin Pakta, Hoja Santa und Niño Viejo. Enigma, die Reinkarnation von 41° sollte entgegen den Erwartungen des Kreativgenies noch einige Zeit für sich in Anspruch nehmen…

03.11.2017