Ausgabe 220, Porträts, Konzepte & Openings

Schwarzes Kameel: Mehr Sein als Schein

Das Lokal Zum schwarzen Kameel gehört zu Wien wie die Butter auf das Brot. Heuer feiert das Traditionshaus sein 400-jähriges Bestehen. Und es ist kein Ende in Sicht.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Thomas Haindl, beigestellt, Herbert Lehmann

Manchmal wäre es schön, könnten Bauwerke sprechen. Das Haus in der Wiener Bognergasse 5 würde gar nicht mehr aufhören zu plaudern. Es würde davon erzählen, mit welchen Spezialitäten ab dem Jahr 1618 gehandelt wurde, welche Persönlichkeiten ein- und ausgingen und warum sogar Ludwig van Beethoven bei einem Besuch des Schwarzen Kameels nicht im Traum daran dachte, sich zu kasteien. Obwohl: Letzteres kann man sich aufgrund des Angebots dieser Wiener Institution freilich denken.

Und zum Glück steht für alle weiteren Fragen einer Rede und Antwort, der es wissen muss: Peter Friese. Seine Eltern übernahmen in den Fünfzigern das Unternehmen, er selbst schwingt seit dem Jahr 1977 das Zepter und ist so sehr mit dem Haus verwachsen, dass man annehmen könnte, ihm selbst müssten schon Höcker gewachsen sein. Bescheiden und immer gut gelaunt gibt er gerne Einblick in sein Traditionshaus – ein Gastgeber, wie man ihn sich wünscht.

„Ich denke, mir wurde das anerzogen. Ich habe schon als Kind gelernt, wie man Gästen gegenübertritt, wie man sich benimmt und was Respekt bedeutet.“ Und das, obwohl seine Eltern hofften, er würde etwas Anständiges lernen. „Mein Vater hat mich schon als Diplomat oder etwas Ähnliches gesehen. Ich bin aber da hängen geblieben“, erzählt er und lässt schon wieder seine gute Laune spüren. Was für ein Glück für seine Gäste. Peter Friese sieht sich gemeinsam mit seinen Abteilungsleitern als Mädchen für alles und packt dort an, wo es notwendig ist.

HIER registrieren

10.04.2018