Ausgabe 220

Wildes Bohnanza

Altbewährt, trendy und vielseitig: das Kultgetränk Kaffee scheint nie aus der Mode zu kommen. Wie Koffein-Nerds an der perfekten Röstung tüfteln, um immer noch mehr aus dem schwarzen Gold herauszuholen.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Monika Reiter, Javarei, Erik Brockholz, Wiener Rösthaus, Elbgold, Haldane Martin, Shutterstock, beigestellt

Kaffee ist nicht nur liebster Durstlöscher, sondern auch zweitwichtigstes Handelsgut nach Erdöl. Komisch eigentlich, dass man erst eine Initiative starten muss, um diesem Produkt die richtige Wertschätzung entgegenzubringen. „Third wave of coffee“, also die dritte Kaffeewelle, hat es sich zum Ziel gesetzt, für Kaffee eine Genusskultur ähnlich wie für andere pflanzenbasierte Produkte wie Wein, Tee und Schokolade zu entwickeln.

Immerhin ist Kaffee eines der komplexesten Naturprodukte, das es gibt. Es setzt sich aus rund 800 Aromastoffen zusammen, fast doppelt so vielen wie bei Wein. Wie gut letztendlich der Kaffee schmeckt, hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab: vom Anbau und von der Röstung. „Der Produzent ist im Mittelpunkt. Er ist der, der die Arbeit macht, und wir sind nur die, die das Produkt veredeln“, ist die Sichtweise von Thomas Kliefoth, CEO und Founder der Kaffeerösterei Elbgold in Hamburg.

Er und seine Partnerin Annika Taschinski hatten eines Tages die Idee, Kaffee zu rösten und diesen besser zu rösten als andere. Also eine Kaffeemarke für Hamburg zu gründen. „Der Kaffee kommt als Rohware nach Hamburg. Dann wird er zum Beispiel weiter nach Italien transportiert, dort geröstet und kommt dann wieder zurück zu uns. Das ist doch nicht nachhaltig“, erläutert der Experte Klieforth die damaligen Gedankengänge der Beiden.

Etwas später wurde ihnen bewusst, dass sie nur besser sein können als andere, wenn sie die Rohstoffe direkt beim Ursprung abholen. „Der zeitliche Aufwand ist so zwar größer für uns, aber wir bekommen dafür so viel zurück. Nette Begegnungen, eine bessere Qualität und wir können sogar Einfluss auf das Produkt nehmen“, zeigt sich der Hamburger begeistert. Rund 1000 Kilometer entfernt hegt jemand dieselbe Leidenschaft.

Silvia Maino hat sich zur Mission gemacht, den Wienern besseren Kaffee zu servieren: „Es trinken irrsinnig viele Leute Kaffee. Vor allem aber trinken irrsinnig viele Leute schlechten Kaffee“, ist ihre Wahrnehmung, sie weiß, wie wichtig die Röstung ist, schwört aber im selben Atemzug auf ein qualitativ hochwertiges Rohprodukt: „Du kannst noch so ein guter Koch sein, wenn du ein schlechtes Steak in die Pfanne haust, dann bleibt es ein schlechtes Steak“, bringt sie ihre Meinung auf den Punkt.

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10.04.2018