Ausgabe 134, Porträts

Ein Fall für Zwei

20 Jahre an der Spitze der Nahrungskette hinterlassen Spuren – und zwar im kulinarischen Gedächtnis einer ganzen Nation. Ein Besuch bei den „Köchen des Jahrzehnts“, Karl und Rudolf Obauer.

Karl und Rudolf ObauerFotos: Wolfgang Hummer

A lso, meine Damen und Herren, gemma’s an!“, hallt es freundlich, aber bestimmt durch die überschaubar dimensionierte Küche des Restaurants im Zentrum des 3000-Seelen-Dorfs Werfen in Salzburg. Es ist Punkt 12 Uhr, das Mittagsservice beginnt gleich und für die kommenden zwei Stunden wird dieser Ort – wieder einmal – zur kulinarisch elitärsten Kampfzone des Landes. „Wir sind ja nicht auf einem Kindergeburtstag, oder?“, sagt der hünenhafte Mann, der hier das Regiment führt, und dieses Lächeln hat etwas sehr Beruhigendes. Es stimmt also, sagt man sich dann zufrieden, dass Hunde, die bellen, nicht beißen. Doch Obacht – wenn es um das eine geht, bleibt für Gutmütigkeit erst mal kein Platz. „Junge Frau, in zwei Stunden reden wir weiter, ich muss jetzt nämlich arbeiten“, verkündet der Hüne und verschwindet in der Kühlkammer im Hinterhof des Lokals. Willkommen im – im besten Sinne des Wortes – ganz normalen Wahnsinn. Willkommen bei den Obauers.

Zwei Stunden, eine ebenso umfassende wie spannende Einführung in die Aromenvielfalt eines Fleckchens Wiese sowie ein Lammcurry, das kein Inder besser würzen und Alain Ducasse nicht grandioser hätte veredeln können später, erzählt Karl Obauer, der große Bruder des großen Bruders, vom aktuellen Presserummel. Seit den Brüdern von Gault Millau die Auszeichnung „Köche des Jahrzehnts“ verliehen wurde, schweigen die Telefone nicht mehr. „Das ist schon ein Wahnsinn...

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14.11.2015