Ausgabe 168, F&B Know-how

Auf dem Boden der Tatsachen

Die Huhn-und-Ei-Frage der Weinwelt: Liegt die Wurzel für Top-Weine im Boden oder geht die Rechnung ohne Winzer und Keller nicht auf?

Wurzel für Top-Weine Illustration: Nina Markart, Fotos: Shutterstock

Montrachet: acht Hektar groß und Gold wert. Nicht nur, weil die Lage an der Côte-d’Or, also an der goldenen Küste, im Burgund liegt; mit dem Kauf einer Flasche aus der begehrtesten Lage der Welt ist das Börserl gleich um mehrere Tausend Euro schlanker. Ein Hektar Boden hat also in etwa den Gegenwert eines mit Diamanten besetzten Prunkbaus auf irgendeinem anderen Fleckchen Erde.
Aber ist der Montrachet-Boden tatsächlich so viel besser, dass der Wein beziehungsweise der Grund sein Geld auch wert ist? Argumente wie Mythos, Kult und Nachfrage, die bei Prestigelagen wie Montrachet den Preis gehörig in die Höhe treiben, außer Acht gelassen, steht wissenschaftlich belegt außer Frage: Der Boden hat einen Einfluss auf das Endprodukt in der Flasche. Aber wie groß ist dieser? Und inwiefern hat der Winzer hier seine Finger mit im Spiel? Otmar Löhnertz ist Leiter des Instituts für Bodenkunde und Pflanzenernährung in Geisenheim und beschäftigt sich in seiner Forschung intensiv mit Bodencharakteristika, die sich im Wein widerspiegeln. Er warnt zugleich davor, die Komponente Boden isoliert zu betrachten: „Boden und Geologie sind wichtige Aspekte des Weinbaus. Allerdings...

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14.11.2015